Ist die Gravitation eine entropische Kraft?

(30.3.2010) Kurz vor Weihnachten veröffentlichte die niederländischen Tageszeitung „Volkskrant“ einen Artikel mit dem (übersetzten) Titel „Schwerkraft ist keine Kraft“ [1], in dem die Ideen von E. Verlinde über den entropischen Charakter der Schwerkraft vorgestellt wurden. Der wissenschaftliche Artikel von Verlinde folgte am 6. Januar und wurde sofort breit diskutiert [2]. Auch Newscientist brachte einen Artikel [3]!
Die Idee hat Charme, auch wenn sie nicht neu ist. An der Vereinigung der Schwerkraft mit den anderen Kräften wird seit Jahrzehnten gearbeitet. Wenn die Schwerkraft keine „echte“ Kraft ist, könnte das erklären, weshalb die Bemühungen bisher weitgehend erfolglos waren.
Der Artikel ist gut zu lesen und man entnimmt die Grundidee: Ähnlich wie bei der Osmose wird auch die Gravitation durch die Entropie „angetrieben“. Hierbei wird die Entropie als „nicht zugängliche Information“ interpretiert, eine Interpretation die insbesondere in der thermodynamischen Charakterisierung von Schwarzen Löchern verwendet wird. In einem Schwarzen Loch ist die Entropie maximal, da man über alles was in ihm ist gar keine Information (außer der Masse) besitzt, während man bei einem Klotz Eisen zumindest noch Informationen über die Geschwindigkeitsverteilung der Atome und Ähnliches hat.
Ich kramte also meine alten Bücher zur Allgemeinen Relativitätstheorie wieder heraus und bestellte ein Buch über Schwarze Löcher, um wenigstens einigermaßen beurteilen zu können, was von der Idee zu halten ist. Da die Gravitation auf diese Weise quantenmechanisch gedeutet wird, sah ich Probleme mit der endlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gravitation: das Einstein-Podolski-Rosen Paradoxon ist experimentell gut bestätigt. Sollte ich in meinem Glauben, dass es keine Gravitationswellen gibt, bestärkt werden?
In dem Glauben an Gravitationswellen sind Euromillionen beinahe wörtlich vergraben worden, indem Gravitationswellendetektoren gebaut wurden, die bisher keine Wellen nachweisen konnten. Der indirekte Nachweis über Doppelsternsysteme ist vielleicht nicht besonders zuverlässig, da zur Herleitung der Abstrahlleistung in den Büchern zur Allgemeinen Relativitätstheorie keine Gravitationswellen benötigt werden. Nach der Herleitung wird gezeigt, dass es Gravitationswellen geben könnte und diese vielleicht die abgestrahlte Energie transportieren könnten. Eine exakte Lösung gibt es bislang nicht.
In der aktuellen Diskussion sieht es aber nicht danach aus, als könnte Verlinde die Wissenschaft schnell von seiner Idee überzeugen. Das heißt natürlich nicht, dass nicht etwas dran ist ...

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[1] Volkskrant Artikel

[2] Wissenschaftlicher Artikel von Verlinde

[3] NewScientist